1873 - 137 Jahre Kolpingsfamilie Westerholt - 2010

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grab in köln

Der Schuster blieb nicht bei seinen Leisten

Mitte des vergangenen Jahrhunderts brachte die beginnende Industrie- alisierung unvorstellbares Leid über die Menschen. Ein knallharter Kapitalismus verdrängte mit seinen Maschinen das Handwerk. Weil das Zunftwesen zerfiel, standen Tausende von Gesellen auf der Straße. Die bisher in den Familien ihrer Meister gelebt hatten, wurden nun zur Landplage. Es war einer  der ihren, der diese Not mit einem klaren Konzept bekämpfte: Adolph Kolping.

Zwischen der Geburt 1813 in Kerpen und dem Tod 1865 in Köln liegen für den Sohn eines Lohnschäfers 52 Jahre eines ungewöhnlichen Lebens. Es beginnt mit Dorfschule, üblicher Lehre und sieben Jahren als Geselle im Schuhmacherhandwerk. Doch Kolping liest viel, er will mehr. Mit 24 Jahren beginnt er als Pennäler am Kölner Marcellen- gymnasium, macht 1841 Abitur, studiert Theologie und wird 1845 in der Kölner Minoritenkirche zum Priester geweiht. Als Kaplan in Elbefeld lernt er den ersten Gesellenverein kennen, wird dessen Präses und wechselt 1849 als Domvikar nach Köln. Hier sammelt er weitere  Gesellen um sich.

Aus der Kölner Gründung erwächst eine Bewegung, die sich schnell ausbreitet. Der Sozialreformer Kolping gibt ihr das geistige Konzept, der Seelsorger Kolping die religiöse Mitte, der Publizist Kolping die öffentliche Wirkung.

Kolping - ein Programm

Der rheinische “Gesellenvater” erscheint in einen neuem Licht, wenn man sein Werk aus dem Blickwinkel der ersten Sozialenzyklika “Rerum novarum” betrachtet. Nicht ohne Absicht verband Papst Johannes Paul II. die Seeligsprechung Adolph Kolpings am 27. Oktober 1991 mit dem hundertährigen Jubiläum der Enzyklika. Männer wie Kolping haben dieses berühmte Rundschreiben erst möglich gemacht. Sie erkannten früh das soziale Desaster der beginnenen Industriealisierung und begnügten sich nicht mit caritativen Gesten.

Kolping holte die heimatlosen Gesellen von der Straße. Er gab ihnen in den Gesellenheimen ein Zuhause mit familiärer Atmosphäre. Er richtete für  sie Kranken- und Sparkassen ein, machte ihnen Bildungsangebote und übermittelte ihnen ein nachahmenswertes Menschenbild: Der überzeugte Christ lebt seinen Glauben und steht seinen Mann im Beruf, er sorgt sich um seine Familie ebenso wie um das Staatswesen.

Kolping - ein Auftrag

Wäre das Werk nur ein “Gesellenverein” gewesen, hätte es die Jahrhundertwende kaum überlebt. Doch über allem stand das Lebens- motto des Gründers:  “Es gibt keinen Punkt, keine Seite, kein einziges Verhältnis des Lebens, welches nicht nach den Grundsätzen des Christentum gerichtet und behandelt werden soll”.

Die schöpferische Kraft eines Adolph Kolping zur sozialen Erneuerung aus dem Glauben war so stark, daß sich heute das Programm seines Kolpingwerkes liest wie eine zeitgenössische “Nachfolge Christi”. Die Präambel faßt das Ziel der Gemeinschaft zusammen:

“Das Kolpingwerk ist die von Adolph Kolping geschaffene und geprägte familienhafte und lebensbegleitene katholische Bildungs- und Aktions-  gemeinschaft zur Entfaltung des einzelnen in der ständig zur erneuernden Gesellschaft”.

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“Froh und glücklich machen, trösten und erfreuen ist im Grunde doch das Glücklichste und Beste, was der Mensch auf dieser Welt ausrichten kann.”