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Über 100 Jahre Kolpinghaus
Durch die Erfahrungen, die man mit dem 1853 eingeweihten Gesellen- haus in Köln machte, wurde erkennbar, daß jeder
Gesellenverein, wollte er seine Ziele erreichen, über ein eigenes Haus verfügen sollte.
Unter Präses Vikar Adolf Beckmann, er wirkte von 1891 bis 1898 in Westerholt, ging dann der lang gehegte Wunsch nach einem
eigenen Gesellenhaus endlich in Erfüllung. Nach erfolgreichen Verhandlungen wurde im Jahre 1895 ein Gartengrundstück vom Schuhmachermeister Johann Stotten, an der heutigen Kolpingstraße gelegen, erworben.
Kaplan Beckmann entstammte einer vermögenden Familie. Er kaufte mit seinem eigenen Geld das Grundstück und erbaute auf seine
Kosten 1897/98 das Haus, in dem unten ein Versammlungsraum für die Vereinsmitglieder und oben je eine Wohnung für den Präses und den Hausmeister eingerichtet wurde. Grundstück und Gebäude wurden auf den Namen des
Kaplans ins Grundbuch eingetragen. Vikar Beckmann hat den Einzug ins neue Domizil nicht mehr mitmachen können, da er im Frühjahr 1898 nach Billerbeck versetzt wurde.
Am 15. Juli 1898 war es dann so weit. Unter Vikar Fölling wurde das neue Gesellenhaus eingeweiht. Gleichzeitig mit der
Einweihung des neuen Heimes, dessen erster Kastellan der Schneidermeister Johann Feldmann wurde, konnte der Verein glanzvoll sein silbernes Jubiläum begehen.
Im Jahre 1912 wurde unter Kaplan Heinrich Brunsmann mit dem Bau des großen Saales begonnen, der 1913 vollendet wurde. In den
Jahren 1926/27 errichtete Kaplan Johann Oostendorp ein großes Gesellschaftszimmer und eine Kegelbahn. Mit einer Saalerweiterung und anderen Verbesserungen unter Präses Kaplan Aloys Böing wurden 1929/30 die Räume
nochmals umgebaut und eine Vollkonzession erwirkt. Bis dahin, also von 1899 bis 1929 hatte der Gesellenverein nur die Erlaubnis zum Ausschank von Bier, feinen Likören und alkoholfreien Getränken für seine Mitglieder
und deren Gäste. Auf Betreiben von Kaplan Böing - die Angelegenheit mußte gerichtlich geklärt werden - erhiet der Verein dann die Vollkonzession zum Ausschank aller alkoholischen Getränke an Jedermann.
Am 29.März 1945, es war der Gründonnerstag, wurde das Kolpinghaus durch Bomben schwer getroffen. Große Schäden waren zu
beklagen. Das Haus war aber noch bewohnbar. Da auch die Vikarie zerbombt wurde, zog der bis dahin dort wohnende Präses Kaplan Greshoff zu seinem Mitbruder Kaplan Junker ins Gesellenhaus. Am 14. April 1946
wurde in der Kirche bekanntgegeben, daß der Gesellenhaussaal wieder benutzt werden kann.
Im Jahre 1938 quartierte sich der SHD, der Sicherheitsdienst der staat- lichen Polizei, ins Gesellschaftszimmer ein. Sie
blieben dort bis zum 25. März 1945. Am 31. März zogen amerikanische Truppen in Westerholt ein.
Heute ist das Kolpinghaus beliebter Treffpunkt der Kolpingsfamilie sowie auch anderer Vereine und Verbände. Darüber hinaus
stehen die Räum- lichkeiten für Veranstaltungen und Feierlichkeiten Jedermann zur Ver- fügung. Gemütliche Gastlichkeit mit gepflegten Speisen und Getränken laden zum Verweilen ein.
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